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Blog Leadership

Karriereplateau in der IT: Raus aus der Komfortzone

6 min read root

Es gibt Phasen in der IT-Karriere, da läuft alles „okay“: Der Job ist sicher, die Aufgaben sind bekannt, die Kolleginnen und Kollegen nett, das Gehalt passt halbwegs. Und trotzdem ist da dieses leise Gefühl, dass etwas fehlt. Keine echte Neugier mehr. Keine Vorfreude auf neue Projekte. Keine Entwicklung, die sich nach Wachstum anfühlt.
Ein Karriereplateau ist selten ein dramatischer Absturz „nach unten“. Es ist eher ein langsames Ausrollen auf eine Ebene, auf der man zwar kompetent ist, aber nicht mehr wirklich gefordert wird. Das kann nach zwei Jahren passieren oder nach zehn. Und es betrifft nicht nur „die anderen“, sondern gerade Menschen, die zuverlässig liefern, Probleme lösen und im Alltag funktionieren.
Dieser Artikel hilft dir, ehrlich zu erkennen, ob du feststeckst ohne dich schlechtzureden, und zeigt realistische nächste Schritte, die nicht nach Motivationsposter klingen, sondern in echten IT-Realitäten funktionieren.

1) Was ein Karriereplateau wirklich ist (und warum es so häufig vorkommt)

In der IT ist Lernen am Anfang automatisch eingebaut: neue Technologien, neue Tools, neue Frameworks, neue Aufgaben. Irgendwann wird man „der/die Erfahrene“. Man kennt die Systeme, die Abläufe, die Stakeholder. Man kann vieles im Schlaf. Genau das ist wertvoll und gleichzeitig gefährlich.

Ein Plateau entsteht oft, wenn drei Dinge zusammenkommen:

  • Routine ersetzt Herausforderung. Du löst Probleme, aber du lernst dabei kaum noch.
  • Dein Impact ist stabil, aber nicht wachsend. Du bist wichtig, aber nicht mehr im Wachstumspfad.
  • Dein Umfeld fordert dich nicht mehr. Nicht, weil es dich unterschätzt, sondern weil du zuverlässig bist.

Das Gemeine: Von außen sieht alles gut aus. Von innen fühlt es sich an wie Stillstand.

2) Woran du erkennst, dass du „steckengeblieben“ bist

Ein Plateau ist nicht nur „kein Titelwechsel“. Es ist ein Muster aus Signalen. Je mehr davon zutreffen, desto wahrscheinlicher ist, dass es Zeit wird, bewusst gegenzusteuern.

2.1 Du wirst weniger neugierig und merkst es erst spät

Du liest weniger Tech-Artikel, probierst weniger aus, gehst weniger tief. Nicht aus Faulheit, sondern weil du innerlich nicht mehr „angezündet“ bist. Du arbeitest korrekt, aber ohne Zug.

2.2 Du bist „der Fixer“ für alles und kommst nicht mehr raus

Du bist die Person, die jedes Legacy-Problem kennt, jedes Deployment retten kann, jeden Incident beruhigt. Das ist Anerkennung und gleichzeitig eine Falle: Du wirst unersetzlich im Operativen, aber unsichtbar für strategische Entwicklung.

2.3 Du lieferst viel, aber dein Profil wird nicht schärfer

Du machst Tickets, Projekte, Verbesserungen aber wenn dich jemand fragt, wofür du stehst, ist die Antwort diffus. Du bist „gut“, aber nicht klar positioniert.

2.4 Feedback wird selten oder nur noch allgemein

Wenn dein Feedback hauptsächlich aus „passt“, „zuverlässig“, „macht einen guten Job“ besteht, ist das nett aber es ist kein Entwicklungsfeedback. Oft ist das ein Zeichen, dass niemand aktiv mit dir „Karriere baut“.

2.5 Du bist mehr genervt als gefordert

Meetings wirken sinnlos, Entscheidungen langsam, Kolleginnen und Kollegen „unfähig“. Manchmal ist das real. Oft ist es auch ein Hinweis: Du brauchst neue Reibung, neue Perspektive, neue Verantwortung.

2.6 Du hast Angst vor dem nächsten Schritt und nennst es Vernunft

Komfortzonen sind nicht nur bequem sie sind auch gut begründbar: Familie, Stabilität, Hypothek, Team, Sicherheit. Das ist legitim. Aber wenn du innerlich spürst, dass du dich klein hältst, ist das ein Signal.

3) Warum „raus aus der Komfortzone“ nicht heißt: Kündigen und alles neu

Viele Ratschläge klingen nach radikalem Schnitt. In der Praxis ist nachhaltige Entwicklung oft inkrementell. Komfortzone verlassen bedeutet nicht, Sicherheit zu zerstören. Es bedeutet, bewusst wieder Lernspannung aufzubauen.

Ein guter nächster Schritt ist einer, der:

  • realistisch in deinen Alltag passt
  • sichtbaren Skill- oder Impact-Zuwachs bringt
  • dir Optionen öffnet (intern oder extern)

4) Realistische nächste Schritte, die wirklich helfen

Schritt 1: Mach ein ehrliches „Plateau-Audit“ (30 Minuten)

Beantworte dir drei Fragen schriftlich:

  1. Was lerne ich aktuell pro Monat, das mich in 12 Monaten wertvoller macht?
  2. Welche Art von Problemen löse ich immer wieder öffentlich sichtbar?
  3. Welche Verantwortung würde ich gern tragen, die ich heute nicht habe?

Wenn du bei Frage 1 und 3 ins Stocken kommst, hast du einen klaren Ansatzpunkt.

Schritt 2: Wähle eine von drei Wachstumsspuren

In der IT gibt es grob drei Wege, aus dem Plateau zu kommen. Du musst nicht alles gleichzeitig.

A) Deepening (Tiefe): Du wirst in einem Bereich sichtbar exzellent.

  • Beispiele: Security, Cloud Architecture, Observability/SRE, Identity, Data Engineering
  • Vorteil: Du baust ein klares Profil auf.
B) Broadening (Breite): Du erweiterst deinen Radius über dein aktuelles Gebiet.

  • Beispiele: von Dev zu DevOps, von Support zu Engineering Enablement, von Admin zu Cloud/Automation
  • Vorteil: Du wirst anschlussfähig für neue Rollen.
C) Leading (Führung/Einfluss): Du erhöhst deinen Impact über Menschen und Entscheidungen.

  • Beispiele: Tech Lead, Team Lead, Staff Engineer, Projektleitung, Mentoring
  • Vorteil: Du wirst strategischer und sichtbarer.

Wichtig: Führung ist nicht nur „People Management“. Auch Staff/Principal-Rollen sind Leadership über Architektur, Standards und Richtung.

Schritt 3: Suche dir ein „Stretch-Projekt“ mit klarer Wirkung

Komfortzone verlässt du nicht durch „mehr Arbeit“, sondern durch andere Arbeit. Gute Stretch-Projekte haben drei Eigenschaften:

  • neues Risiko (du kannst es nicht komplett im Schlaf)
  • sichtbarer Output (nicht nur intern versteckt)
  • klarer Nutzen (Zeit, Stabilität, Kosten, Security, Kundenerlebnis)

Beispiele für realistische Stretch-Projekte: Automatisierung eines wiederkehrenden Betriebsprozesses (IaC, Skripting, Self-Service); Einführung von Monitoring/Tracing mit SLOs; Security-Hardening oder Identity-Verbesserung mit messbarem Risikoabbau; Migration eines Teilbereichs (z. B. Legacy-Service, Mailflow, Device Management); Aufbau einer internen Wissensbasis/Runbooks, die Tickets reduziert.

Schritt 4: Mach deinen Impact sichtbar (ohne Selbstmarketing-Show)

Viele bleiben stecken, weil ihr Wert nicht lesbar ist. Sichtbarkeit ist kein Ego-Trip, sondern Karriere-Hygiene.

Praktisch:

  • schreibe kurze „Before/After“ Updates: Problem → Maßnahme → Ergebnis
  • nutze Zahlen, wenn möglich: MTTR, Ticketreduktion, Kosten, Performance
  • teile Learnings im Team (5 Minuten reichen)

Schritt 5: Führe ein klares Karrieregespräch mit Vorschlag

Viele warten auf „Beförderung“, statt ein Angebot zu machen. Geh ins Gespräch mit:

  • deiner gewählten Wachstumsspur (Tiefe/Breite/Einfluss)
  • 1–2 konkreten Projekten
  • einem Vorschlag für Verantwortung und Messkriterien

Zum Beispiel: „Ich möchte mich Richtung SRE entwickeln. Ich übernehme die Einführung von SLOs für Service X und reduziere Alert-Noise um 30% in 8 Wochen.“ Das ist für Führung leichter zu unterstützen als ein diffuses „Ich will weiterkommen“.

Schritt 6: Baue dir ein externes Radar auf ohne sofort zu wechseln

Komfortzone wird oft durch fehlende Optionen verstärkt. Optionen entstehen durch:

  • 2–3 Gespräche mit Leuten in Rollen, die dich interessieren
  • ein aktualisiertes LinkedIn/Profil (faktenbasiert: Projekte, Ergebnisse)
  • ein kleines Portfolio: Case-Study-Notizen, Talks, Blogposts, GitHub (wenn passend)

Du musst nicht sofort gehen. Aber du solltest wissen, was du wert bist und welche Rollen realistisch sind.

5) Wann ein Wechsel sinnvoll ist (und wann nicht)

Ein Plateau kann man oft intern lösen. Ein Wechsel wird sinnvoll, wenn:

  • es keine realistischen Wachstumspfade gibt (keine Rollen, keine Projekte, keine Mentoren)
  • du trotz klarer Gespräche keine Chancen bekommst
  • die Kultur Lernen bestraft (Fehler werden geahndet, Initiative blockiert)
  • du dauerhaft unterfordert bist und das deine Energie frisst

Nicht sinnvoll ist ein Wechsel, wenn du eigentlich nur Erschöpfung hast. Burnout sieht manchmal aus wie Langeweile. Dann ist der erste Schritt nicht mehr Herausforderung, sondern Regeneration, Grenzen, Arbeitslast.

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